Grafik des Vernetzungskonzepts

Lebewesen isoliert in "Naturinseln" (B) sind langfristig nicht überlebensfähig. Erst wenn ein steter genetischer Austausch zwischen Populationen möglich ist, kann sich eine so genannte Metapopulation aufbauen.

Dazu müssen die Biotope (B) durch Wanderkorridore (K: Bachläufe, Hecken, Waldsäume, Naturwiesen, Gräben) untereinander vernetzt werden.

Dazwischen ermöglichen Trittsteinbiotope (T) im Abstand von 100 - 500 m den Aufbau von Teilpopulationen

Vernetzungskonzept

Ziel des Vernetzungskonzepts ist ein Verbundsystem der Biotope in der Region.

Vernetzungkonzept der regionalen Biotope


Viele Arten zeigen vor allem als Jungtiere eine Migration (radiäre Auswanderung), um neue Lebensräume zu besiedeln. Nehmen wir als Beispiel die bedrohten Unken. Falls die kleine Unkenpopulation in der Herzogenmatt durch einen sehr trockenen Sommer dezimiert wird, könnten einwandernde Individuen aus der grossen Population der Ziegelei Oberwil, die die extremen Bedingungen besser verkraftet hat, in die Herzogenmatt einwandern und so die Population wieder aufbauen. Damit ist auch ein genetischer Austausch zwischen den Populationen gewährleistet.

Wanderkorridore

Das entscheidende Problem ist also, die Wanderung zwischen den Populationen zu gewährleisten, falls es in der Nähe noch grosse Quellenpopulationen gibt. Auf dem Allschwiler-Plateau gibt es eine Vielzahl ähnlicher Biotope wie die Herzogenmatt: Lehmgruben, künstliche Weiheranlagen, natürliche Waldweiher. Durch das Anlegen von Wanderkorridoren könnten diese Gebiete miteinander vernetzt werden. Statt vieler kleiner, isolierter Populationen würde so eine Grosspopulation (Metapopulation) aus miteinander in Verbindung stehenden Unterpopulationen entstehen.

Im Frühjahr 2014 wurden in einem weiteren Schritt im Vernetzungskonzept der Herzogenmatt mit andern Biotopen der Region die Vernetzungsweiher im Bereich Hintere Allmend (auch Hintere Allme) gebaut.

Im Winter 2016/2017 wurden die Weiher im Gebiet Ziegelhof Allschwil gebaut. Mit diesem Biotop ist die von Prof. em. Heinz Durrer 1999 geplante Vernetzung der Biotope vollendet.

Auf dieser Karte sind die Weiher der Herzogenmatt und die Vernetzungsweiher Richtung Ziegelei Allschwil, Mühletal Allschwil, Ziegelei und Gymnasium Oberwil, Reservoir, Biel-Benken, Leymen zu sehen.

Damit das Naturschutzgebiet Herzogenmatt seinen naturschützerischen Wert langfristig erhält ist eine Hege und Pflege nötig. Die Wiesen müssen gemäht, die Gebüsche und aufkommenden Bäume geschnitten und die Weiher gereinigt werden.

Verwaldung

Würde das Gebiet nicht gepflegt, hätten wir in wenigen Jahren (wie an vielen Orten der Schweiz) wieder Wald und die Artenvielfalt ginge verloren.

Faulschlamm

In Gewässern lagern sich tote Pflanzen und Organismen ab. Dies führt zur Faulschlammbildung.
Es besteht so die Gefahr, dass dabei aller Sauerstoff aufgebraucht wird. Dies führt zu einem anaeroben Zustand, zu einem biologisch toten Gewässer.

Verlandung

Schema der Verlandung eines Weihers in mehreren Schritten

Vordringende Uferpflanzen und wuchernde Wasserpflanzen führen zur natürlichen Verlandung eines Gewässers. Die Weiher würden immer kleiner und mit der Zeit würden sie ganz verschwinden. (Verlust der freien Wasserfläche)

Fehlende Eigendynamik

Der Natur fehlt heute die Dynamik (Erosion, Überschwemmung, Sedimentation, Wind, Frass durch Grossäuger etc.) - diese muss durch die Pflege künstlich ersetzt werden.

Naturschutzgebiete sind nur Kleinlebensräume mit künstlicher Vielfalt.

Pflegekonzept

  • Reinigung der Weiher alle 3 – 5 Jahre (Entfernen des Faulschlamms und der überwuchernden Vegetation)
  • Schnitt der Gebüsche alle 3 Jahre – oder nach Bedarf
  • Abräumen der Wiesen (Mahd) – jährlich (Ziel ist auch eine Ausmagerung der Wiesen)
  • Pflege des Waldsaums und des Waldes (Naturwald)
  • Die Ausführung erfolgt nach dem Prinzip der „patch-dynamics“ (Mosaik-Pflege) d.h. gewisse Teile bleiben unberührt andere werden total ausgeräumt.

Wer macht was

  • Der Stiftungsrat beschliesst jährlich das Konzept
  • Ein verantwortlicher Betreuer erstellt das Hegekonzept und leitet die Arbeiten
  • Gemeindarbeiter leisten das maschinelle Abräumen der Wiesen und Gebüsche und pflegen das Wegnetz
  • Spezielle Arbeiten (z.B. Weiherpflege) werden an Spezialisten vergeben
  • Die Gemeinde Binningen und Sponsoren garantieren ein jährliches Budget
  • Der Förderverein unterstützt finanziell die Hege (Passivmitglieder) – die Aktiven leisten an 10 Samstagen im Jahr Arbeitseinsätze im Gebiet

Ohne Pflege verliert ein Biotop rasch seinen naturschützerischen Wert.

Begegnung Mensch - Natur

Das Naturschutzgebiet Herzogenmatt ist für Besucher erschlossen.

Ein Wegnetz von 1.4 km führt durch das Naturschutzgebiet. Brücken führen über den Bach. Diverse Bänke laden zum Verweilen und Beobachten. Die restlichen Regionen des Naturschutzgebiets bleiben für Pflanzen und Tiere reserviert.

Zu jeder Jahreszeit können im Naturschutzgebiet andere Besonderheiten beobachtet werden. Ein Besuch lohnt sich zu jeder Jahreszeit. Das Naturschutzgebiet Herzogenmatt ist auch ein wichtiger Naherholungsraum für die Bewohner von Basel-Stadt.