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Weiherleerung mit 3 Schläuchen / Pit Monfort, Fréderic Nobs und Heinz DurrerIm November 2011 wurde der grosse Weiher (A2) in der Herzogenmatt total entleert und gereinigt. In den Jahren vor der Weiherräumung wurden immer weniger Frösche, Libellenlarven, und Kaulquappen im grossen Weiher beobachtet. Dafür konnten immer mehr grössere und kleinere Fische gesichtet werden. Eigentlich wäre geplant gewesen, den grossen Weiher ca. alle 10 Jahre zu leeren und reinigen. Weil der Fischbestand aber so gross war, wurde der Weiher schon 5 Jahre nach der letzten Reinigung von der Firma Montfort Naturschutz, Fréderic Nobs und weiteren Spezialisten in kurzer Zeit und fachmännisch geleert, anschliessend gereinigt und ein Teil der Wasserpflanzen entfernt.

Bei der Leerung wurden unter anderem zwei Hechte, mehrere Karpfen, viele Rotfedern, Schleien und Goldfische gefangen. Ein grosses Problem waren die vielen Blaubandbärblinge, die im Weiher entdeckt wurden. Blaubandbärblinge sind eine invasive Art, die ursprünglich aus Asien stammt. Sie sind sehr anpassungsfähig und können sich in fast allen Gewässern ansiedeln, wenn die Temperatur nicht zu stark absinkt. Sie vermehren sich sehr stark und sind sehr gefrässig. Auf ihrem Speiseplan stehen kleine Wirbellose, Plankton und Pflanzen. In einem Sommer können drei Generationen dieses Fisches heranwachsen und sie können in einem einzigen Sommer bis zu 9 cm lang werden. Dementsprechend müssen sie sich auch ernähren und fressen auch Kaulquappen, Schnecken, Libellen- und andere Insektenlarven, wenn ihre Nahrung knapp wird. Untersuchungen haben sogar gezeigt, dass sie andere grössere Fische, die sich in der Winterstarre befanden anknabberten. Sie sind grosse Nahrungskonkurrenten zu den Amphibien und richten in einem Naturschutzgebiet grossen Schaden an.

Weiherleerung 2011 / Leerer Weiher - SchlammentfernungDie meisten der gefangenen Fische wurden dem Zoo Basel übergeben. Ein kleiner Teil vor allem Stichlinge und Moderlieschen wurden im Weierbächli in vorher extra vorbereiteten weiherartigen Becken ausgesetzt. Damit sicher keine Fische im Weiher überlebten wurde er vollständig geleert und ca. 1 Woche vollständig trocken gelassen. Zum Glück spielte auch das Wetter mit. Nach der Schönwetterperiode während der Weiherräumung, setzte der Regen zur richtigen Zeit ein und begann den Weiher wieder zu füllen. Zusätzlich zum Regenwasser wurde das Wasser des Brunnens in der Nähe des Weihers mit einem Schlauch in den Weiher geleitet. Der Schlauch blieb mehrere Wochen am Brunnen bis der Weiher wieder vollständig gefüllt war.

Obschon es verboten ist, Tiere in einem Naturschutzgebiet auszusetzen, kommt es leider immer wieder vor, dass Menschen Fische aus Aquarien und Weihern sowie Wasserschildkröten in der Herzogenmatt aussetzen. Diese Tiere richten im Naturschutzgebiet einen grossen ökologischen und wirtschaftlichen Schaden an. Die Amphibien stehen in der Schweiz unter Naturschutz und die ausgesetzten Fische und auch die fleischfressenden Wasserschildkröten gefährden den Amphibienbestand in der Herzogenmatt. Während der Weiherräumung wurden nur noch sehr wenige Wasserschnecken, Libellenlarven und Larven der Geburtshelferkröte gefunden.

Hydrous piceus / Grosser KolbenwasserkäferZum grossen Erstaunen und zur Freude derjenigen, die den Weiher ausfischten wurde aber auch ein sehr seltener Grosser Kolbenwasserkäfer (Hydrous piceus) entdeckt. Dieser seltene Schwimmkäfer kann bis zu 5 cm gross werden und ist der grösste Wasserkäfer Europas. Weil er immer stärker gefährdet ist, steht er unter Naturschutz.

 

Bildergalerie der Weiherräumung

Bericht von H. U. Jundt zur Weiherräumung im Binninger Anzeiger (ganz unten auf Seite 8)

Bericht von H. U. Jundt im Binninger Anzeiger zum Blaubandbärbling